Donnerstag, 3. November 2016

Brief an meinen verstorbenen Opa

Hallo ihr Lieben,

Wer Probleme mit dem Tod und dem Verlust lieber Menschen hat, sollte jetzt bitte nicht mehr weiter lesen!

Mein Opa verstarb am 30.05.2013 und es gibt viele Dinge und Momente, in denen er einfach fehlt und ich vermisse ihn sehr. Ich habe nie wirklich um ihn richtig getrauert und möchte irgendwann mit der Trauer abschließen. Es gibt vieles, was ich ihm noch sagen möchte und was ich ihm erzählen möchte. Der nachfolgende Brief soll mir helfen, ihn zu erinnern und diese offenen Dinge aufzuschreiben und vielleicht wird er mir auch helfen, damit es mir mit dem Tod von ihm ein wenig besser geht. Ich habe viel geweint beim Schreiben dieser Zeilen und versuche mit dem Ganzen meinen Verlust besser zu bewältigen.

Lieber Opa,

Seit 3 Jahren und 157 Tagen, oder auch 1253 Tagen fehlst du mir sehr. Ich bin mit dir aufgewachsen und du warst immer für mich da. Dein Tod kam viel zu plötzlich und du hast eine ganz große Lücke hinterlassen, die sich niemals ganz schließen wird. Du und Oma wart meine Stützen an manch schweren Tagen und ich konnte mich immer auf dich/euch verlassen. Da du im Haus wohntest, warst du immer nah und auch nach 3 Jahren, mache ich mich manchmal auf den Weg nach unten, und stelle erst im Flur vor eurer Wohnzimmertür fest, dass du nicht mehr da bist. Mein erster Weg morgens und wenn ich nach Hause kam, führte zu dir und Oma um nach euch zu sehen. Ich verbrachte viele wunderschöne Stunden mit dir und besonders als du krank wurdest, war es mir sehr wichtig bei dir zu sein und für dich da zu sein, genau wie du es für mich warst. Ich habe tolle Erinnerungen an dich, die im Moment leider sehr schmerzen, weil du einfach nicht mehr da bist. Manche Dinge werde ich niemals vergessen. Ich weiß noch genau als ich mir den Finger gebrochen hatte in der Grundschule, kamst du mich abholen und wir sind ins Krankenhaus gefahren. Weil ich so tapfer war, sind wir danach noch Eis essen gegangen, wobei ich mir da nicht ganz sicher bin, ob das nur wegen mir war ;). Du liebtest Eis und vorallem Schokoeis. Du kamst zu jeder meiner Tanzaufführungen und warst immer der Erste der applaudiert hat. Jeden Dienstag und Donnerstag, wenn du von deiner Sportgruppe kamst, durfte ich länger aufbleiben bis du da bist und du hast dann mit mir dein Abendessen geteilt. Du hast immer nach meinem Tag gefragt und warst immer sehr interessiert, was ich so mache. Du hast mir ein Kartenspiel beigebracht und hast immer geschummelt beim Spielen. Als Kind fand ich das immer sehr gemein, aber war dir nie böse. Du hast immer so offensichtlich geschummelt und dabei gelacht. In der Weihnachtszeit habe ich dir immer Schoko Plätzchen gebacken, weil du die am liebsten mochtest. Eigentlich liebtest du alles mit Schokolade. Als du erkrankt warst, konntest du nicht mehr so unauffällig Schokolade essen, weil Oma es verboten hatte, aber ich hab dir ab und zu etwas zu gesteckt und dann warst du immer so glücklich. Wir waren immer viel spazieren gewesen und hatten wirklich tolle Gespräche. Auch als du krank warst, habe ich dich immer mit spazieren genommen, auch wenn es schwierig war und in den letzten beiden Jahren ohne Rollstuhl nicht ging. Ich vermisse unsere gemeinsamen Momente sehr und bin traurig, dass wir nicht mehr Zeit hatten. Nachdem du fest im Rollstuhl saßest und mich durch die Demenz fast nicht mehr erkannt hast, war ich trotzdem täglich bei dir und habe viel mit dir geredet und auch bei deiner Pflege geholfen. Es war schwer für mich, dass du mich nicht mehr oft erkannt hast, aber es war schön, trotzdem in deiner Nähe zu sein und etwas für dich zu tun. Du warst so liebevoll, herzlich, humorvoll und hattest immer einen lustigen Spruch auf den Lippen. Ich bin mit dir aufgewachsen und bin so froh, dass du mich ein Stück meines Lebens begleitet und geprägt hast. Ich habe seit 2 Jahren eine Katze und du hättest deinen Spaß mit ihr gehabt. Am Samstag ist mein Geburtstag und auch Weihnachten steht vor der Tür. Besonders an solchen Tagen vermisse ich dich noch mehr und es tut mir weh, dass du nicht dabei bist. Es tut mir auch weh, dass du mich nicht mehr begleitest und du so viel von mir verpasst. Ich habe zum Beispiel meinen Führerschein gemacht und mich auch sonst sehr weiter entwickelt. Ich denke, du wärest so stolz auf mich, was ich alles erreicht habe und wie ich jetzt bin. Du warst immer stolz auf mich und ich war stolz auf dich. Es tut mir so leid, dass ich in den letzten Stunden deines Lebens nicht bei dir war als du im Sterben lagst, doch ich war noch jung und wusste nicht, wie ich damit umgehen soll. Ich hätte bei dir sein sollen und bereue das heute sehr, aber ich weiß, du bist mir nicht böse deswegen. Viele Tage sind vergangen, aber es vergeht kein Tag, an dem ich nicht an dich denke. Ich besuche oft dein Grab um dir noch irgendwie nahe zu sein. Es macht mich so traurig, dass ich nie wieder mit dir reden kann, dich nie wieder umarmen kann und du nie wieder bei mir sein wirst. Es gibt so viele Dinge, die ich dir noch hätte sagen wollen und es jetzt nicht mehr richtig kann. Du warst ein wundervoller Mensch und Opa. Ich habe dich so lieb! Ich bin so froh über unsere gemeinsame Zeit und werde dich immer in Erinnerung behalten. Meine Therapeutin meinte heute, ein Mensch ist erst richtig tod, wenn niemand sich mehr an ihn erinnert. Ich bin dankbar, dass ich dich hatte und für die schöne gemeinsame Zeit. Du bist zwar fort, aber meine Erinnerungen an dich werden für immer in meinem Herzen sein und somit, wird auch immer ein Teil von dir bei mir sein. Ich vermisse dich so sehr und es tut so weh, ich kann es garnicht in Worte fassen. Ich hoffe, dort wo du jetzt bist, geht es dir gut und die Vorstellung, dass du über mich wachst und auf mich aufpasst, gibt mir Kraft und Hoffnung. Danke, dass du mein Opa warst. Ich liebe dich von ganzem Herzen!

In liebe deine kleine Enkeltochter. 

 

1 Kommentar:

  1. Ich bin so stolz auf dich. Ich kann mich noch gut daran erinnern wie du mit seinem Tod umgegangen bist als es passiert ist, und dass du heute in der Lage bist so einen Brief zu schreiben ist etwas ganz besonderes. Der Brief hat mich auch zum Weinen gebracht <3 *umarmt dich ganz fest*

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