Montag, 13. Juni 2016

#beHindernisse bei Psychischen Erkrankungen

Hallo ihr Lieben,

 Es gibt schon seit längerem den Hashtag #beHindernisse unter anderem auch auf Twitter. Ich finde die Idee dahinter sehr gut und es ist auch vorallem wichtig dieses Thema anzusprechen. Für alle, die noch nichts davon gehört haben, verlinke ich hier mal die Seite. Der Hashtag ist damals entstanden um Betroffenen eine Stimme zu geben und auf Diskriminierung, Unverständnis, Missstände und Einschränkungen aufmerksam zu machen.

Ich bin ein riesen großer Fan von dem Hashtag und habe schon länger darüber nach gedacht mal darüber zu bloggen und das mache ich heute. 
Ich möchte euch hier einfach mal ein paar Beispiele auflisten, die mir und auch Freunden so passiert sind und die einfach "beHindernisse" sind. 

Wie ihr schon in der Überschrift seht, geht es um Psychische Erkrankungen und was es dort so für "Hindernisse", Diskriminierung und Unverständnis , etc gibt. 

Bei den meisten Menschen dauert es sehr lange, bis sie sich überhaupt eingestehen können, dass sie ein Problem haben und vielleicht sogar erkrankt sind. Bei psychischen Erkrankungen ist es meistens schon fast zu spät bis Betroffene sich Hilfe zu suchen. Meistens versuchen Betroffene doch noch irgendwie alles hin zu bekommen und spielen auch ihren Mitmenschen vor, dass alles gut ist. So werden solche Erkrankungen erst spät bekannt. Wie schon gesagt, ist es meistens dann wirklich fast zu spät und Betroffenen bräuchten dringend Hilfe. Doch das kann man hier in Deutschland wirklich vergessen. Wenn man sich dann Hilfe sucht, gibt es meistens monatelange Wartelisten ( die teilweise auch gerne mal über ein Jahr dauern) bei Fachärzten, Psychotherapeuten und spezialisierten Psychiatrien und Kliniken. Dafür können die Institutionen und Ärzte nichts, weil sie einfach unterbesetzt sind und es einfach viel zu wenige Plätze und Kapazitäten gibt für die Patienten. Man muss einfach immer warten und das meiner Meinung nach viel zu lange. Aber die Betroffenen brauchen sofort Hilfe und oft bleibt man dann einfach alleine damit zurück. Es gibt zwar auch Psychiatrische Hilfsangebote, die aber keine Therapie oder Arzt ersetzen können, wobei diese Einrichtungen auch überlastet sind. Ich für meinen Teil habe 5 Monate auf einen Platz in der Tagesklinik gewartet und kam dann auch nur so schnell dran, weil meine damalige Psychiaterin die Leiterin gut kannte. Auf meinen Platz bei meiner jetzigen Therapeutin habe ich fast ein Jahr  gewartet und auf der Warteliste für die Spezialklinik  bin ich auch schon über ein Jahr. 

Wenn es wirklich dringend ist, weil man zum Beispiel starke Suizidgedanken hat, hat man nur die Möglichkeit in eine geschlossene Psychiatrie zu gehen, was bei uns hier  keiner freiwillig möchte. Ich hatte schon viele Freunde, die deswegen in die Psychiatrie mussten und dort voll gepumpt wurden mit starken Beruhigungsmitteln, dann fast nur noch schliefen und auch nach 3 Tagen aufgrund von Platzmangel entlassen wurden. Das ist keine Hilfe, sondern einfach ruhig stellen und wieder abschieben. Es gab keine richtige Therapie, sondern einfach nur Medikamente und das sollte einfach so nicht sein. So hilft man niemanden langfristig. 

Menschen mit psychischen Erkrankungen haben mit vielen Vorurteilen und Unverständnis zu kämpfen. Man wird als dumm und vorallem faul abgestempelt. Viele Mitmenschen denke einfach, dass man zu faul zum Arbeiten ist. Nur man ist nicht faul, sondern man KANN es einfach nicht. Viele können sich einfach nicht vorstellen, wie schwer ein Alltag zum Beispiel mit Depressionen ist und das man teilweise einfach wirklich nichts mehr hinbekommt. Ich hatte mal einen Post über Depressionen geschrieben, den,wer will, man hier nachlesen kann. 
Das schlimme ist, dass man solche Aussagen immer vorgehalten bekommt und das verstärkt noch das Gefühl, dass man einfach nichts kann und man fühlt sich noch schlechter. So wird man einfach immer mehr hinunter gezogen. Die meisten Menschen haben diese Vorurteile, weil sie es einfach nicht besser wissen. Deswegen wäre ich für mehr Aufklärung und Toleranz in Bereich der psychischen Erkrankungen, insbesondere auch bei Ämtern und Hilfseinrichtungen. 

So komme ich auch schon zu meinem nächsten Punkt. Ich kann ( wie viele Andere auch ) im Moment nicht alleine zu Ämtern gehen oder auch generell fällt mir der Umgang mit fremden Personen schwer, sodass ich dabei Hilfe brauche. Deswegen habe ich auch eine Betreuerin von einem ambulanten Psychiatrischen Hilfsangebot. Leider hat das ganze Problem meine Betreuerin nie verstanden, sodass sie immer wieder mir vorhielt, dass ich alles alleine machen sollte und auch auf mehrmaliges Hinweisen verstand sie es nicht. Diese Erfahrung war für mich sehr schlecht und hat mich auch gehindert. Wie ich schon oben genannt habe, sollte es da mehr Aufklärung geben. 

Noch "schöner" ist es, wenn ich in Begleitung zu einem Amt muss. Wirklich jedes Mal bekomme ich von den Sachbearbeitern gesagt beziehungsweise werde ich schon richtig aufgefordert, dass nächste Mal alleine zu kommen, obwohl sie die Problematik mit meinen Erkrankungen kennen. Ich denke so geht es vielen Menschen und nicht nur mir. Auch habe ich schon von Freunden gehört, die auch mit Ängsten zu kämpfen haben, dass sie bei Erstterminen bei Therapeuten böse darauf hingewiesen worden, dass sie das nächste Mal alleine kommen sollten und das ist mir auch schon vor 3 Jahren passiert. Wäre es so einfach, würden wir ja schon alleine kommen, denn es nicht angenehm immer auf jemanden angewiesen zu sein. Man sollte meinen, dass Therapeuten und auch Fachkräfte wissen sollten, wie sie mit Betroffenen umgehen müssen, aber das ist oft auch nicht so. Solches Verhalten ist inakzeptabel, unangebracht und verletzt die Betroffenen auch. Ich und auch meine Bekannten sind nie wieder zu solchen Therapeuten gegangen und das hilft uns auch nicht weiter, denn wir brauchen Hilfe und nicht Unverständnis. 

Leider wird man auch gerne bei Ämtern, etc  behandelt als wäre man unzurechnungsfähig. Insbesondere gerne, wenn man mit einer Begleitperson dort auftaucht. Mir ging es schon oft so, dass dann nicht mehr mit mir gesprochen wurde, sondern einfach über meinen Kopf hinweg. Es wurde dann einfach über mich gesprochen, als wäre ich garnicht da oder würde nichts verstehen von alldem. Leider ging es nicht nur mir so, sondern ich habe das schon von vielen Betroffenen gehört. Man wird einfach übergangen, als wäre man nicht anwesend. So darf das auch nicht ablaufen! Wir sind Menschen, die psychisch krank sind, aber die nicht geistig eingeschränkt sind oder denen, die Fähigkeit zu Sprechen fehlt. Wir brauchen einfach nur Unterstützung, sind aber voll und ganz anwesend und bei der Sache. Vielleicht wissen die Angestellten es nicht besser, aber dieses Verhalten ist ganz falsch und unterstützt uns nicht wirklich. 

Viele Menschen verlieren aufgrund dieser Erkrankungen ihre Arbeit oder können eben keine Arbeit anfangen, sodass sie auf Hilfe von Ämtern angewiesen sind. Ich persönlich musste selbst feststellen, dass man mit einer psychischen Erkrankung um alles hart kämpfen muss. Ich wurde immer zuerst als faul und arbeitsunwillig hingestellt und habe lange darum kämpfen müssen ( auch mit Gutachten), dass ich Unterstützung vom Amt bekomme. Alle paar Monate muss ich wieder Gutachten einreichen und darum kämpfen weiterhin Geld zu bekommen. Vielen Betroffenen geht es ähnlich und meistens fehlt auch die Kraft um solche Kämpfe auszufechten. Es sollte viel einfacher sein Hilfen zu bekommen, weil es einfach unmöglich ist, so einen riesen Aufwand zu betreiben. Ich sehe in meinem Freundeskreis, wie schwer es die Menschen haben bei den Ämtern und wie sie dort hin gestellt werden. Es ist einfacher, wenn man eine körperliche Erkrankung oder Einschränkung hat, weil diese sichtbar sind ( wobei ich hier nicht behaupten möchte, dass es leicht ist!). Mit einer psychischen Erkrankung wird man immer gerne als Simulant oder faul hingestellt, eben weil man es nicht sieht und viele es einfach nicht nachvollziehen können. 

Leider hat man auch im Verwandten- und Freundeskreis mit Unverständnis zu kämpfen. Viele Menschen meinen es nur gut und versuchen Ratschläge zu geben, die aber einfach vieles nur schlimmer machen für die Betroffenen. Man hört oft Sätze wie "Stell dich nicht so an", "Geh einfach mal an die frische Luft, dann wird es besser", "Lass dich einfach nicht so hängen", "Andere haben es viel schlimmer als du", "Steh einfach auf und tu etwas", "Hast du schon versucht dies und das zu tun, damit es dir besser geht?", "Lach mehr und sei einfach glücklich" und "Alles ist doch gut. Sei nicht immer so traurig". Vielleicht sind solche Sätze gut gemeint, aber sie verschlimmern es einfach noch. Man fühlt sich einfach noch schlechter, eben weil es einem nicht gut geht und man nichts hinbekommt. Wie ich schon oft in diesem Beitrag geschrieben habe, würden wir es ja gerne anders machen, aber es geht einfach in diesen Momenten nicht. Niemand möchte freiwillig psychisch krank sein und teilweise dadurch durch die Hölle gehen. Liebe Menschen, bitte spart euch solche Sätze und seit einfach da für die Betroffenen. Das reicht schon aus, denn mehr könnt ihr leider nicht wirklich tun. Es wäre auch schön, wenn nicht immer gesehen würde, was wir nicht können und schaffen, sondern was wir erreichen, auch wenn es nur kleine Schritte und Etappen sind. Die Mitmenschen sollten viel mehr darauf achten und auch anerkennen, was wir trotz Erkrankung noch leisten, auch wenn es nur minimale Dinge sind, denn für uns sind es riesen Große Berge, die wir erklimmen müssen. 
Oftmals wissen auch Familie und Freunde nicht, wie sie mit einem umgehen sollen. Seit einfach da für uns, unterstützt uns und drängt uns nicht zu Dingen, die wir vielleicht im Moment nicht können. Ihr könnt trotzdem wie früher normal mit uns umgehen, denn wir sind immer noch die Gleichen. 


Ich wünsche mir mehr Verständnis, Toleranz und Akzeptanz in Bezug auf psychische Erkrankungen, mehr Aufklärung und viel mehr Kapazitäten und Plätze für Hilfen. 

Wir haben es schon schwer genug, ohne diese Steine und Hindernisse, die wir in den Weg gelegt bekommen. 

Das war meine Sicht auf die #beHindernisse.

Liebe Grüße,
Karo :)


 

1 Kommentar:

  1. Danke für den geschrieben Beitrag den ich in allen Punkten unterschreiben kann. Abgesehen von dem Punkt mit den Ämtern, weil ich da keine Erfahrung habe.

    Lg,
    Kuntergraubunt

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